Ja, also ... eigentlich ist es das Kopfweh ...

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Ja, also ... eigentlich ist es das Kopfweh ...

Frau W., 69 Jahre alt, berichtet, in unklarer Weise und von längeren Pausen unterbrochen, von Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten. In den letzen fünf Monaten habe sie 5 kg abgenommen. Davor war sie wegen unklaren Darmbeschwerden in Behandlung, was Sie als Reizdarmsyndrom diagnostiziert haben. Die Patientin erzählt Ihnen, dass sie nicht über den Tod ihres geliebten Ehemannes hinwegkommen kann, der vor zwei Jahren gestorben ist.

Kommentar

Mit Schlafstörungen, Kopfschmerzen, ungewolltem Gewichtsverlust und Konzentrationsschwäche werden die (aus psychiatrischer Sicht) „Nebensymptome“ einer Depression berichtet, die typischerweise der Anlass für den Hausarztbesuch sind. Mit einem einfachen Zwei-Fragen-Test können die „Hauptsymptome“ ermittelt werden:

  1. „Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos?“
  2. „Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?“

Daneben liefern Mimik, Gestik, Körperhaltung, Sprachfluss und die Gestaltung der Begegnung Hinweise auf die Diagnose. Für eine Trauerreaktion ohne Krankheitswert und Behandlungsindikation bzw. eine Belastungsreaktion ist der Zeitraum von zwei Jahren zu lang. Differenzialdiagnostisch sollten chronische somatische Erkrankungen, die zu einem Gewichtsverlust führen, abgeklärt werden (z. B. Blutbild, CRP, Ferritin, TSH, Vitamin B12, Folsäure, Kreatinin, Elektrolyte, Leberwerte, Blutzucker, FOBT), sowie eine beginnende Demenz. Wenn eine Depression wahrscheinlich ist , sollte auch Suizidalität offen angesprochen werden.

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