Der Dreitagsfall: Mir ist so taumelig

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Mir ist so taumelig

Frau E. (23 J.) klagt über Schwindel. Vor zwei Tagen war sie beim Aquajogging, seitdem sei ihr „dauernd“ ein bisschen schwindelig, und sie fragt sich, ob sie vielleicht Wasser ins Ohr bekommen habe.

Kommentar

Ein leichter Schwindel ist ein derart häufiges Beschwerdebild (in über der Hälfte der Fälle ohne objektivierbare Diagnose), dass er allein keine umfangreichen diagnostischen Maßnahmen oder Überweisungen nach sich ziehen sollte. Sie fragen nach der Art des Schwindels (z. B. Dreh- oder Schwankschwindel). Als Red Flags oder Hinweise auf bestimmte Erkrankungen erfragen Sie Schädel- oder HWS-Trauma, gleichzeitig aufgetretene Kopfschmerzen, Gesichtschmerzen, Synkope, Erbrechen, Hörstörungen, neurologische Störungen (z. B. Fazialisparese, Seh- oder Schluckstörungen, motorische Ausfälle). Sie führen eine Otoskopie und einen orientierenden Hörtest (Flüstersprache) durch, und Sie untersuchen auf einen Nystagmus einschließlich einer Lagerungsprovokation, führen eine neurologische Untersuchung durch und messen den Blutdruck

Wenn diese Untersuchungen nichts ergeben, was den Verdacht in eine spezifische Richtung lenkt, kann die Deutung der Patientin im Sinne eines abwartenden Offenhaltens genutzt werden. Sie erklären, dass bei vielen jungen Menschen ein Schwindel nach wenigen Tagen von selbst verschwindet und bestellen die Patientin kuzfristig zur Kontrolle ein.

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