Der Freitagsfall: Nur ein bisschen Halssschmerzen

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Nur ein bisschen Halssschmerzen

>Unter den vielen Patienten, die in diesem Februar hustend und schnupfend in Ihrem Wartezimmer sitzen, ist auch Frau M., 42 Jahre alt. Sie will eine Krankschreibung, habe aber nur Schluckbeschwerden, keinen Husten, sei halt entsetzlich schlapp. Die Mandeln sind aufgrund mangelnder Kooperation schlecht einsehbar, aber anscheinend geschwollen, der Hals fühlt sich heiß an, mit tastbaren Kieferwinkellymphknoten.

Kommentar

Das Fehlen von Husten, Fieber (was sich schnell objektivieren lässt) und geschwollene vordere Halslymphknoten gehören zu den Centor-Kriterien, die darauf hindeuten, dass es sich hier nicht um die übliche virale Halsinfektion, sondern um eine Streptokokkeninfektion handelt. Ein Schnelltest auf Streptokokken ist bei starkem klinischen Verdacht nicht sehr hilfreich, auf ein evtl. negatives Testergebnis ist dann kein Verlass. Dass Frau M. den Mund nicht richtig öffnen möchte, könnte auf eine beginnende Kieferklemme bei Peritonsillarabszesses hinweisen. Ein typischer Inspektionsbefund wäre eine Seitenverschiebung von Zäpfchen und der betroffenen Tonsille. Bei V. a. Peritonsillarabszess sollte eine Überweisung zum HNO-Arzt erfolgen.

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