Der Freitagsfall: Heftiges Schnaufen

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Heftiges Schnaufen

Sie hören Frau H., 65 Jahre, schon vernehmlich die zwei Treppen zu Ihrer Praxis hinaufschnaufen und sehen im Vorübergehen, wie sie sich am Tresen festhält, um wieder zu Atem zu kommen. Sie kennen das von ihr, aber nicht so ausgeprägt. Sie macht keinen erkälteten Eindruck und hustet nicht. Vorbekannt sind ein Hypertonus (Messung jetzt 150/100 mmHg), ein BMI von 30 und Nikotinabusus (30 Packyears).

Kommentar

Auch wenn der Verdacht einer Herzinsuffizienz naheliegt, muss die Dyspnoe in alle Richtungen abgeklärt werden: Der erste Eindruck wäre, zumal bei einer früheren Raucherin, durchaus auch mit einer pulmonalen Ursache zu erklären (von COPD bis Bronchialkarzinom), und dann würde eine gründliche Anamese und körperliche Untersuchung die weiteren Untersuchungen in eine ganz andere Richtung lenken. Wenn sich der erste Verdacht bestätigt (anamnmestisch Orthopnoe und Erschöpfbarkeit; Stauungszeichen wie Ödeme, pulmonale Rasselgeräusche; und hoch spezifische, aber oft fehlende Befunde wie sichtbare Jugularvenen, verschobener Herzspitzenstoß, Galopprhythmus), schließt sich ein 12-Kanal-EKG an, Basislabor und NT-proBNP (hoher negativer Vorhersagewert, eignet sich daher mehr zum Auschluss als zur Bestätigung einer Herzinsuffizienz), anschließend ggf. eine Überweisung zum Herzecho.

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