Der Freitagsfall: Sie ist auf einmal ganz seltsam

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Schlimmer als sonst

Als Sie gerade nach Hause gehen wollen, ruft der Ehemann von Frau K. an: Seine Frau (beide sind über 90 Jahre alt) habe in den letzten Tagen nur eine Erkältung gehabt, aber jetzt „gefalle sie ihm gar nicht“. Sie habe erbrochen und sei irgendwie verändert. Sie schaffe auch den Weg in die Praxis nicht. Er bittet um einen Hausbesuch.

Kommentar

Vom Ehemann ist wohl keine Präzisierung der äußerst vagen Beschreibung zu erwarten. Das Krankheitsbild erscheint völlig unklar und ein Hausbesuch demnach unumgänglich. Differenzialdiagnostisch könnten eine Pneumonie, eine Sepsis, aber auch ein Schlaganfall oder eine TIA möglich sein. Ein akuter Verwirrtheitszustand könnte durch eine TIA oder schlicht durch den Infekt ausgelöst sein. Außerdem kennen Sie die Verhältnisse und Vorerkrankungen und können evtl. auch einschätzen, in welcher Situation Frau K. überhaupt noch eine stationäre Behandlung wünscht. Vor Ort können Sie, abhängig von den klinischen Befunden, gemeinsam mit der Patientin, dem Ehemann und, wenn erforderlich, weiteren Angehörigen, entscheiden, ob und mit welchem Ziel eine Klinikeinweisung erfolgen soll.

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