Der Freitagsfall: Dicker Hals

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Dicker Hals

Eine neue Patientin stellt sich in Ihrer Praxis vor: Frau G., 27 Jahre alt, verheiratet, vier Kinder, Ehemann zur Zeit mit der Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz, hilfsbedürftige Schwiegermutter im Haus. Einzige bekannte Medikation L-Thyroxin 25 µg, „wegen dem Hals“. Sie braucht dafür ein Rezept. An eine Kontrolle der Schilddrüsenwerte kann sie sich nicht erinnern.

Kommentar

In diesem Fall mit unklarer Vorgeschichte ist zunächst eine Tastuntersuchung von Hals und Schilddrüse und eine Bestimmung des TSH geboten. Sollte der TSH-Wert im Normbereich sein, kann die L-Thyroxin-Dosis beibehalten werden, bei Abweichungen vom Normwert entsprechend angepasst werden. Dann sollte auch der fT4-Wert nachbestellt werden. Bei tastbaren Knoten oder Struma führen Sie eine Schilddrüsen-Sonografie zur Größenbestimmung und/oder Beurteilung von Knoten durch. Sollten keine Vorbefunde aufzutreiben sein und die Patientin wirklich nicht wissen, warum sie Schilddrüsentabletten nimmt, können die TPO-Ak (und evtl. Anti-TG) bestimmt werden. Im statistisch wahrscheinlichsten Fall einer Hashimoto-Thyreoiditis würde man höchstwahrscheinlich erhöhte Antikörper-Titer sehen. Im Folgenden eignet sich eine Bestimmung der Antikörper aber nicht zur Verlaufskontrolle. Die Anpassung der Thyroxindosis bei Hypothyreose folgt dem TSH-Spiegel, bei ausreichender Substitution mit halbjährlichen Kontrollen; ebenso, wenn sich die Substitution als unnötig herausstellen sollte (subklinische Hypothyreose).

Außerdem deutet sich eine psychische Überforderungssituation an, die auch im Zusammenhang mit der Schilddrüsenfunktion wichtig sein könnte, weil eine manifeste Hypothyreose zu einer Depression führen und auch leicht damit verwechselt werden kann. Deshalb sollten Sie der Patientin einen Gesprächstermin anbieten.

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