Der Freitagsfall: Lästiger Reiz

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Lästiger Reiz

Herr B., 66 Jahre alt, kommt zu Ihnen in die Praxis. Er habe jetzt seit zwei, drei Monaten diesen lästigen Husten. Als er noch geraucht habe, sei das ja normal gewesen, aber das sei lange her. Jetzt will er ein Antibiotikum, „damit der Husten endlich mal weggeht“.

Kommentar

Husten über mehr als acht Wochen bei einem Ex-Raucher ist ein Alarmsignal für ein mögliches Bronchialkarzinom. In dieselbe Richtung deuten würden: ungewollter Gewichtsverlust, Hämoptyse, eher in fortgeschrittenen Stadien Brustschmerz und Dyspnoe. Befunde in der klinischen Untersuchung variieren oder können ganz fehlen, daher ist bei deutlichem Verdacht Bildgebung indiziert; inzwischen wird eher ein Low-Dose-Spiral-CT empfohlen als die konventionelle Röntgenaufnahme, die ein hohes Risiko von falsch-negativen Ergebnissen hat.

Wenn es das nicht ist, sind COPD, Asthma, gastroösophageale Refluxkrankheit und Husten als Medikamentennebenwirkung (z. B. ACE-Hemmer, Betablocker, NSAR) mögliche Erklärungen. Schließlich kämen Upper Airway Cough Syndrome (UACS, Post-Nasal Drip) und bronchiale Hyperreagibilität in Betracht. Ein Versuch mit Antibiotika trägt nichts zu dieser systematischen Ursachensuche bei. Bei den 10–40 % der Patienten mit chronischem Husten, bei denen die Ätiologie ungeklärt bleibt, können eine Änderung von Umgebungsfaktoren (Heizung? Luftbefeuchtung?) sowie evtl. Physiotherapie oder Psychotherapie hilfreich sein.

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