Ich kann meine Arme nicht mehr heben

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Der Freitagsfall: Ich kann meine Arme nicht mehr heben

Frau N., 47 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder, Bürokauffrau, klagt über seit Wochen rezidivierende ziehende Nackenschmerzen. Mittlerweile breite sich der Schmerz so aus, dass sie kaum noch die Oberarme zu bewegen wage. In einer orientierenden neurologischen Untersuchung ist in einem Bereich vom Hinterkopf bis zur Mitte der Oberarme ein Druckschmerz auslösbar, jedoch keine Muskelschwäche, keine sensiblen oder motorischen Ausfälle. Muskulatur diffus verhärtet. Passiv sind Nacken und Schultergelenke schmerzfrei und ohne Einschränkungen bewegbar.

Kommentar

Die nicht-segmentale Ausdehnung der Nackenschmerzen und das Fehlen radikulär zuordnenbarer neurologischer Ausfälle spricht gegen eine zervikale Radikulopathie oder andere von der HWS ausgehende Ursache und für eine Myalgie. Daher ist eine Bildgebung nicht indiziert. Sie klären auf über den vermutlich harmlosen Charakter der Nackenschmerzen, die hohe Spontanheilungs-, aber auch hohe Rezidivrate und arbeiten einer evtl. mitursächlichen Ängstlichkeit entgegen. Sinnvoll ist die Klärung des Zusammenhangs mit der Büroarbeit, ggf. einschließlich arbeitsmedizinischer Beratung; nicht jedoch eine längere Krankschreibung oder gar Immobilisierung. Hilfreich ist im Gegenteil gezielte Mobilisation, evtl. unter physiotherapeutischer Anleitung und vorübergehender NSAR-Gabe.

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