Reisebekanntschaft

Ein Patientenbeispiel aus dem Praxisalltag.

Reisebekanntschaft

Herr W., 28 Jahre, der sich als Tourist seit drei Wochen in der Stadt aufhält, berichtet über gelb-schleimigen Ausfluss aus der Harnröhre und starkes Brennen beim Wasserlassen. Er fragt, ob er abwarten kann, bis er seinen Hausarzt sehen kann, oder ob er in seiner Heimatstadt gleich zum Urologen gehen soll.

Kommentar

Dem Verdacht einer STD sollte hier und jetzt nachgegangen werden. Die Beschreibung des Ausflusses spricht eher gegen die häufigste Form der Chlamydien-Urethritis und für eine Gonorrhö. Die Inkubationszeit beträgt bei Gonorrhö bis zu 14 Tage, bei Chlamydien 5–10 Tage, so dass eine Infektion auf der Reise wahrscheinlich ist und dementsprechend Kontaktpersonen benachrichtigt werden sollten. Obwohl Chlamydien auch im Urin nachgewiesen werden könnten, wird der Patient um einen sofortigen Harnröhrenabstrich nicht herumkommen. Gonorrhö und Chlamydien können mithilfe einer PCR schnell nachgewiesen werden. Wenn beide Untersuchungen negativ sind, kommt Mycoplasma genitalium als Ursache in Frage.

Wenn sich der Gonorrhö-Verdacht bestätigt, sollte eine Kultur für eine eventuelle Resistenzbestimmung angelegt werden. Sie geben 800 g Ceftriaxon p. o. und 1,5 g Azithromycin p. o. jeweils als Einmaldosis; Sie raten dem Patienten dringend, sich zuhause nachuntersuchen zu lassen und bei ausbleibender Besserung sofort einen Arzt aufzusuchen. Bei unkomplizierter Gonorrhö besteht keine Meldepflicht (außer in Sachsen).

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