Die neue DEGAM-Leitlinie Halsschmerzen bei Deximed

Wir haben die Empfehlungen in zahlreichen Artikeln berücksichtigt, in denen es unter anderem direkt um Halsschmerzen und Streptokokken-Infekte des Halses geht.

Die neue DEGAM-Leitlinie Halsschmerzen bei DeximedRKI-Empfehlungen zu COVID-19 – Welche Neuerungen gibt es und wer versteht sie?

Thema der Woche, 16.11.2020 von Dr. med. Marlies Karsch

Letzte Woche hat die DEGAM ihre neue S3-Leitlinie Halsschmerzen herausgegeben. Da Halsschmerzen zu den häufigsten Beratungsanlässen in der Hausarztpraxis gehören, spielt diese Leitlinie auch in einer Reihe von Deximed-Artikeln eine große Rolle. Wir haben die Empfehlungen in zahlreichen Artikeln berücksichtigt, in denen es unter anderem direkt um Halsschmerzen und Streptokokken-Infekte des Halses geht: Halsschmerzen, Akute Tonsillitis, Pharyngitis, Streptokokken-Infektionen des Halses und Scharlach. Außerdem haben wir auch unseren Artikel zu Streptokokkeninfektionen im Allgemeinen überarbeitet.

Neu ist in dieser Leitlinie die noch klarere Empfehlung für eine zurückhaltende Indikationsstellung bei der Gabe von Antibiotika. Hintergrund ist der meist selbstlimitierende Verlauf und das geringe Komplikationsrisiko auch bei zugrundeliegenden Streptokokken-Infektionen. Durch eine Antibiotikagabe können die Symptome nur um durchschnittlich 16 Stunden verkürzt werden. Außerdem können Poststreptokokken-Erkrankungen durch Antibiotika nicht verhindert werden. Aber eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen kann bei einer Antibiotikatherapie und nach Abklingen der Symptome ab dem 2. Tag erfolgen, ansonsten nach Abklingen der Krankheitssymptome.

Bei intermediärer klinischer Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Streptokokken-Pharyngitis werden Antibiotika nur als Option und nur mittels Delayed Prescribing empfohlen, also die Mitgabe eines Rezepts für eine spätere Einlösung bei Verschlechterung. Auch bei einer höheren Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Streptokokken-bedingten Tonsillopharyngitis wird die antibiotische Therapie als optional angegeben und als Alternative zur sofortigen Therapie ebenfalls Delayed Prescribing empfohlen. Sollte eine Therapie mit Antibiotika erfolgen, gibt es hierzu neue Empfehlungen. Goldstandard ist weiterhin die Gabe von Penicillin V, aber statt wie bisher für 7 Tage laut neuer Empfehlung für 5 bis 7 Tage. Bei Penicillin-Unverträglichkeit wird jetzt zur Einnahme von Clarithromycin geraten, da das früher empfohlene Erythromycin in Deutschland nicht mehr zuverlässig lieferbar ist. In der Diagnostik ist bei Kindern unter 15 Jahren mit klinischem Verdacht auf eine bakterielle Genese ein Streptokokken-Schnelltest empfohlen, um bei negativem Befund auf ein Antibiotikum verzichten zu können. Auch bei höherer klinischer Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Streptokokken-Tonsillitis soll bei Kindern mit negativem Schnelltestergebnis keine antibiotische Therapie verabreicht werden.

In der DEGAM-Leitlinie wird auch auf Komplikationen und Folgeerkrankungen einer Streptokokken-Pharyngotonsillitis eingegangen. Wir haben die Empfehlungen dazu in unseren Artikeln Peritonsillarabszess, Poststreptokokken-Erkrankungen und Rheumatisches Fieber berücksichtigt. Hier werden auch die revidierten und erweiterten Jones-Kriterien zur Diagnose eines rheumatischen Fiebers dargestellt. Auch Differenzialdiagnosen einer akuten Tonsillitis werden in der Leitlinie angesprochen. Wir haben das zum Anlass genommen auch unseren Artikel Epiglottitis zu revidieren. Neu ist hier, dass von einer parenteralen Gabe von Glukokortikoiden und der Inhalation von Epinephrin abgeraten wird. Unsere Artikel Mononukleose, Lemierre-Syndrom, Herpangina und Diphtherie wurden ebenfalls umfassend überarbeitet.

Wir haben die Publikation der neuen DEGAM-Leitlinie Halsschmerzen als einen großen Arbeitsauftrag für Deximed aufgefasst und freuen uns sehr, dass wir Ihnen so zeitnah und umfassend diese praxisrelevanten und wichtigen Informationen zur Verfügung stellen können.


Marlies Karsch, Chefredakteurin

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