Hauterkrankungen – eine Blickdiagnose

Wir Hausärzt*innen haben alle mehr oder weniger große „weiße Flecken“ auf unserer medizinischen Wissenslandkarte.

Hauterkrankungen – eine Blickdiagnose

Thema der Woche, 14.12.2020 von Dr. med. Marlies Karsch

Kennen Sie das auch? Wir Hausärzt*innen haben alle mehr oder weniger große „weiße Flecken“ auf unserer medizinischen Wissenslandkarte. Das Fachgebiet Allgemeinmedizin ist so groß und umfassend, dass es unmöglich ist, in allen Bereichen Expert*in zu sein. Bei den meisten von uns fehlt die Erfahrung in medizinischen Bereichen, die nicht Teil unserer Facharztweiterbildung waren. Bei mir und auch einigen Kolleg*innen, mit denen ich darüber gesprochen habe, betrifft dies beispielsweise die Orthopädie und die Dermatologie. Obwohl hier vielen, besonders am Beginn der hausärztlichen Tätigkeit, die Erfahrung fehlt, sind Beratungsanlässe aus diesen Fachbereichen in der Hausarztpraxis ausgesprochen häufig. Vieles kann man sich anlesen oder in Kursen und Seminaren erlernen, z. B. Dermatoskopie. Einiges wird einfach während der praktischen hausärztlichen Tätigkeit erlernt oder von Kolleg*innen gezeigt. Manches muss man aber einfach wiederholt gesehen haben, besonders dermatologische Krankheitsbilder. Hier hilft es nicht, sich etwas anzulesen, hier braucht man entweder Bilder zum Vergleich oder mit der Dauer der Praxistätigkeit zunehmende Erfahrung.

Wir haben die Anregung einer Leserin aufgegriffen und ein neues Kapitel Hauterkrankungen: Blickdiagnose erstellt. Hier haben wir knapp 400 Bilder aus unseren dermatologischen Kapiteln mit den jeweiligen Diagnosen zusammengestellt. Sie können mit dem Menü rechts zu unterschiedlichen Kategorien von Hautveränderungen springen, z. B. zu erythematösen, papulösen, pustulösen oder schuppigen Hautveränderungen. Wenn Sie anhand der Bilder eine Differenzialdiagnose gefunden haben, werden Sie über einen Link gleich zum passenden Krankheitsartikel weitergeleitet. Wenn Sie also beispielweise anhand einer Abbildung bei einer Patientin ein nummuläres Ekzem vermuten, können Sie direkt den dazugehörigen Artikel aufrufen. Oft kann die Unterscheidung von einer Tinea corporis schwierig sein. Darauf wird dann in unserem Artikel Nummuläres Ekzem hingewiesen und zur differenzialdiagnostischen Abklärung die Untersuchung auf eine Pilzinfektion empfohlen. Wie Sie auf den Abbildungen erkennen können, ähnelt auch das Primärmedaillon bei Pityriais rosea einer Tinea corporis. Auch in diesem Fall tragen die Informationen in den ausführlichen Artikeln zu Tinea corporis und Pityriasis rosea zur weiteren Abgrenzung bei.

Manche impfpräventable Krankheitsbilder sind sehr selten zu sehen. Wird uns ein Kind mit Fieber und Hautausschlag vorgestellt, können die wenigsten auf viel Erfahrung mit Röteln und Masern zurückgreifen. Auch die Windpocken sind mittlerweile selten geworden. Impfskepsis oder schlichte Vergesslichkeit mancher Eltern führen aber dazu, dass auch solche Krankheitsbilder vereinzelt in der hausärztlichen Praxis gesehen werden. In diesen Fällen kann es hilfreich sein, die Abbildungen in unserem Artikel zum Vergleich heranzuziehen. Auch Patient*innen mit Nagelveränderungen stellen sich häufig in der Hausarztpraxis vor. Hier liegt nicht immer eine Tinea unguium zugrunde. Differenzialdiagnostisch sollte beispielsweise auch an eine Onycholyse bei Psoriasis oder eine Nageldystrophie bei Lichen ruber gedacht werden. Bei uns finden Sie die Bilder zum Befundvergleich.

Für die Zulassung zur Durchführung des (in seinem Nutzen umstrittenen) Hautkrebsscreenings ist ein eintägiger Kurs erforderlich, der weder wirklich umfassende differenzialdiagnostische Kenntnisse vermittelt noch zur Befähigung zur Dermatoskopie beiträgt. In unserem neuen Kapitel finden Sie zahlreiche Abbildungen verschiedener Nävi, seborrhoischer Warzen, Pigmentveränderungen, Basalzellkarzinome und verschiedener Erscheinungsformen eines malignen Melanoms. Diese Bilder können zur differenzialdiagnostischen Einordnung von Hautveränderungen im Rahmen des Hautkrebsscreenings beitragen.

Wir hoffen, Sie mit unserem neuen Kapitel zur dermatologischen Blickdiagnose in Ihrer täglichen Arbeit unterstützen zu können. Man lernt nie aus und deswegen kann es nie genug Abbildungen von Hautbefunden geben. Wir möchten unser Bilderarchiv gerne weiter ausbauen und freuen uns immer sehr, wenn uns, auch von Leser*innen, neue Bilder zur Verfügung gestellt werden.

Marlies Karsch, Chefredakteurin

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