2020: ein besonderes und seltsames Jahr

Das Thema COVID-19 hat unsere Redaktion zwar auf Trab gehalten, aber glücklicherweise nicht völlig in Beschlag genommen.

2020: ein besonderes und seltsames Jahr

Thema der Woche, 21.12.2020 von Dr. med. Marlies Karsch

Das vergangene Jahr war nicht nur bei Deximed dominiert und geprägt von einem Thema: der COVID-19-Pandemie. Sie führte einerseits zu neuen Herausforderungen, besonderen Belastungen und Stress, andererseits zu einem geradezu seltsamen Zustand des Stillstands. Unser Team musste sich ins private Homeoffice zurückziehen. Die Meetings in unserem Team, mit unseren Kooperationspartnern und mit unserem Beirat fanden nur noch virtuell statt. Normalerweise sind wir viel unterwegs und für Sie auf zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen und Kongressen persönlich ansprechbar. So gut wie alle Veranstaltungen wurden verschoben oder abgesagt. Der DEGAM-WONCA-Kongress fand virtuell statt. Mittlerweile haben zahlreiche Veranstalter für das nächste Jahr Konzepte entwickelt, damit Tage der Allgemeinmedizin und andere Veranstaltungen online durchgeführt werden können. Der persönliche Kontakt untereinander und mit Ihnen, unseren Leser*innen und Unterstützer*innen, wird uns aber weiterhin sehr fehlen.

Unsere redaktionelle Arbeit mussten wir auf ein bisher völlig unbekanntes globales Gesundheitsproblem ausrichten. Da besonders zu Anfang wenig über SARS-CoV-2 bekannt war, und das Wenige, was wir wussten, in noch nicht begutachteten Studienergebnissen auf Preprint-Servern zu finden war, war die tägliche Recherche eine große Herausforderung. Dennoch konnten wir Ihnen von Anfang an einen immer aktuellen und umfassenden Artikel zu COVID-19 zur Verfügung stellen. Mit diesem Artikel gelingt es uns hoffentlich, Sie bei den neuen Herausforderungen durch COVID-19 im Praxisalltag zu unterstützen. Auch die zugehörige Patienteninformation wurde und wird täglich überprüft. Außerdem haben wir zu den im Zusammenhang mit COVID-19 oder der Impfstoffentwicklung aufgetretenen Erkrankungen Multisystem Inflammatory Syndrome in Children (MIS-C) und transverse Myelitis ganz neue Artikel geschrieben. Speziell für Patient*innen haben wir eine Information zum Thema Impfung und Herdenimmunität verfasst.

Das Thema COVID-19 hat unsere Redaktion zwar auf Trab gehalten, aber glücklicherweise nicht völlig in Beschlag genommen. Bei all dem Trubel um diese eine Erkrankung war es wichtig, nicht all die anderen Krankheitsbilder aus den Augen zu verlieren. So konnten wir 2020 eine große Zahl an Artikeln aktualisieren und revidieren. Auch neue Artikel, wie Höhenkrankheit, haben wir herausgebracht. Wir haben auch die 2020 neu erschienenen DEGAM-Leitlinien in unseren entsprechenden Artikeln berücksichtigt, wie zum Beispiel Halsschmerzen, Schlaganfall und TIA, Gicht und Hitzeschäden. Auch die neue NVL Asthma haben wir in unsere Artikel aufgenommen, z. B. Asthma und Asthma bei Kindern und Jugendlichen.

Politik und Behörden wurden von der Pandemie, wie es scheint, völlig überrascht. Obwohl seit Jahren vielfach vor einer globalen Pandemie gewarnt wurde und auch bereits Pandemieszenarien von den Verantwortlichen durchdacht und beschrieben worden waren, traf COVID-19 das deutsche Gesundheitssystem doch relativ unvorbereitet. Da wir anfangs und weiterhin zu wenig über SARS-CoV-2 und die Entwicklung der Pandemie wissen, wurde und wird versucht, mit verschiedenen Infektionsschutzmaßnahmen nach dem Prinzip Trial und Error gegen die Ausbreitung von COVID-19 vorzugehen. Inzwischen gibt es mit Dexamethason zumindest ein wirksames Medikament für schwer kranke COVID-19 Patient*innen. Verschiedene Impfstoffkandidaten sind in Kürze zugelassen. In einigen Wochen werden wir vermutlich deutlich mehr über Verlauf und Wirksamkeit von Impfmaßnahmen und die Entwicklung der Pandemie wissen. Bis dahin wird teilweise heftig und unversöhnlich über die unterschiedlichen Vorgehensweisen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft gestritten.

Mit einer guten und stringenten Strategie der Verantwortlichen, verbunden mit einer transparenten Kommunikation, beispielsweise auch über die Vorteile und Risiken der neu entwickelten Impfstoffe, könnte sicher eine breitere Akzeptanz für die Infektionsschutzmaßnahmen erreicht werden. Denn eines dürfen wir bei all der Aufregung nicht vergessen: Es geht darum, andere Menschen zu schützen. Es sind bereits zu viele Menschen an (oder auch mit) COVID-19 verstorben. Ihr Schicksal und das Leid ihrer Angehörigen darf in keiner Debatte vergessen werden.

Es sieht jedenfalls so aus, als würde uns das Thema COVID-19 auch weiterhin viel Kraft und Geduld abverlangen. Keiner kann abschätzen, was uns das nächste Jahr bringt. Wir möchten uns aber an dieser Stelle für Ihr Vertrauen bedanken und wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein gutes, ein besseres Jahr 2021 und trotz aller Einschränkungen schöne und erholsame Feiertage.

Marlies Karsch, Chefredakteurin

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