Reisemedizin für den Campingurlaub

In diesem Sommer sind Insektenstiche, Tierbisse, Ausschlag und Sonnenbrand keine Seltenheit.

Reisemedizin für den Campingurlaub

Thema der Woche, 02.08.2021 von Dr. med. Marlies Karsch
Auch in diesem Sommer ist das Reisen im Vergleich zu früheren Jahren nicht so unbeschwert und immer noch eingeschränkt. Im Vergleich zum Sommer 2020 sind jetzt sehr viele Menschen geimpft und trauen sich eher, in den Urlaub zu fahren. Allerdings sind europäische Urlaubsländer, wie Spanien, Portugal, Zypern, Großbritannien und die Niederlande derzeit als Hochrisikogebiet eingestuft. Einfache Risikogebiete entfallen neuerdings als Kategorie, und es gilt eine allgemeine Testpflicht bei Einreise. Für die Einreise aus Hochrisiko- oder Virusvariantengebieten besteht eine Quarantänepflicht von mindestens 5 bzw. 14 Tagen. Es kann passieren, dass nicht geimpfte Kinder und Jugendliche nach dem Familienurlaub im Ausland erst einmal in Quarantäne müssen, was sich nicht mit dem Schulstart vereinbaren lässt. Urlaub in Nicht-Risikoländern und in Deutschland ist also eine relativ sichere Option, und gerade Campingurlaub ist sehr beliebt.

Welche gesundheitlichen Probleme können in einem Campingurlaub im näheren europäischen Ausland oder in deutschen Ferienregionen auftreten? Welche Erkrankungen können Patient*innen also in diesem Jahr aus dem Urlaub mitbringen? Dass Reisende COVID-19 importieren können, ist klar. Wie sich hier die bereits erreichte Impfquote auswirken wird, kann erst in einigen Wochen beurteilt werden. Die auch in anderen Ländern praktizierten Infektionsschutzmaßnahmen, wie Händedesinfektion in Restaurants und Abstandhalten, könnten dazu führen, dass Reisediarrhö und Atemwegsinfektionen seltener auftreten.

Mückenstiche und Stiche anderer Insekten sind ein häufiges Problem. Eine vollständige FSME-Immunisierung ist in Endemiegebieten zu empfehlen. Nach einem Tag in Feld, Wald und Wiesen sollte der Körper nach Zecken untersucht und diese mit einer Zeckenpinzette oder -karte entfernt werden, um einer Borreliose vorzubeugen. Es kann auch nach einfachen Mücken- oder Bremsenstichen zu starken lokalen Reaktionen kommen, z. B. einer ausgeprägten Blasenbildung (Culicosis bullosa). Bei lokalen Überreaktionen können Glukokortikoid-Salben und/oder Antihistaminika oral helfen. Eine bei einer lokalen Überreaktion manchmal zu beobachtende Lymphangiitis wird von Betroffenen häufig als „Blutvergiftung" interpretiert, ist aber harmlos und nicht infektiös bedingt. Bettwanzen dürften im eigenen Campingbus oder Zelt nicht vorkommen, in gemieteten Wohnmobilen schon eher.

Beim Baden in warmem Süßwasser kann eine Zerkariendermatitis auftreten. Längerer Aufenthalt in Ufernähe in schlammigem Wasser mit Wasserschnecken ist zu vermeiden. Durch Duschen nach dem Baden können Zerkarien von der Haut abgespült werden. Baden in warmem Nord- oder Ostseewasser kann ebenfalls ungesund sein: Jährlich kommt es zu einigen Fällen einer Infektion mit Vibrio vulnificus. Überall in Europa kann es zu Schlangenbissen kommen, auch beim Baden in Süßwasser, da Schlangen sich gerne in Seen abkühlen. Hinweise zum Vorgehen bei Bissverletzungen finden Sie in unseren Artikeln Kreuzotter- und Aspisviperbiss und Tierbisse.

Auch die Haut kann im Urlaub in Mitleidenschaft gezogen werden. Sonnenbrand ist wohl die häufigste Hauterkrankung im Urlaub. Ausreichender Sonnenschutz, Meidung von Aufenthalt im Freien in den Tagesstunden mit der größten Sonneneinstrahlung und generell Aufenthalt im Schatten statt unter direkter Sonneneinstrahlung sind unbedingt zu empfehlen. Phototoxische Reaktionen können aufgrund vom Medikamenteneinnahme, z. B. Sulfonylharnstoffe, Thiazide oder Amiodaron, ebenso vorkommen wie nach Kontakt mit Korbblütlern, Schafgarbe und anderen Pflanzen. Besonders in Gemeinschaftsduschen auf dem Campingplatz können sich Urlauber*innen Fußpilz und Plantarwarzen holen. Die wirksamste Präventionsmaßnahme ist die Vermeidung von Barfußlaufen in Sanitärbereichen und Schwimmbädern. Die Therapie von Plantarwarzen kann langwierig sein. Mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen lassen sich schwerere Reiseerkrankungen in Europa vermeiden. Wir sollten nur nicht vergessen, dass noch andere Risiken als das einer SARS-CoV-2-Infektion zu beachten sind.

Marlies Karsch, Chefredakteurin